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Klinik und Diagnose

Symptome

Blutdruck

  • Bei Vorliegen einer CNI geht in vielen Fällen die Fähigkeit der Blutdruckregulation verloren: Der Blutdruck steigt.

Als direkte Folge davon kommt es zur Verschlimmerung der Niereninsuffizienz, denn der erhöhte Blutdruck schädigt direkt noch funktionsfähige Nephrone.

Durch den erhöhten Druck wird vermehrt Eiweiß im Glomerulum durch die Kapillarwände gepresst: Protein wird über den Urin ausgeschieden: Proteinurie.

Erhöhter Blutdruck und Proteinurie sind immer als Verdachtssymptome einer Nierenerkrankung zu werten!

Bluthochdruck kann weiterhin zur Schädigung des Herzmuskels führen und zu Blutungen in der Netzhaut und Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung. Dies kann recht häufig bei Katzen beobachtet werden.

Polyurie und Polydipsie

  • Eine geschädigte Niere verliert je nach Grad der Zerstörung immer mehr die Fähigkeit, Urin zu konzentrieren. Das heißt, sie braucht immer mehr Wasser, um die erforderlichen Schadstoffe aus dem Körper zu schleusen: Der Patient scheidet große Mengen "dünnen" Urin aus: Polyurie.

Um dies zu kompensieren, muss das Tier entsprechend mehr Trinkwasser aufnehmen: Polydipsie.

Polyurie und Polydipsie sollten immer als Hinweis auf das Vorliegen einer Nierenerkrankung gesehen werden!

Kann der Wasserverlust über den Harn nicht ausreichend durch die Trinkwassermenge kompensiert werden, trocknet der Patient immer mehr aus. Man spricht von der "Dehydratation".

Harnstoff / Kreatinin

  • Wird der Regulationsmechanismus Polyurie / Polydipsie überschritten, reichern sich die ausscheidungspflichtigen Stoffe im Blut an: erhöhte Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin sind im Blut nachweisbar.

Hohe Harnstoffwerte im Blut verursachen Magen- Darmgeschwüre und geschwürige Veränderungen der Mundschleimhaut und Zunge, die äußerst schmerzhaft sind und zur Nahrungsverweigerung führen. Typisch ist ein starker Mundgeruch.

Phosphor / Kalzium

  • Im Zusammenhang mit einer verminderten Filtration wird auch Phosphor nicht mehr genügend ausgeschieden, der Spiegel im Blut steigt. "Hyperphosphatämie" ist eine häufige Diagnose bei Patienten mit CNI und hat weit reichende Folgen für den Kalzium / Phosphorhaushalt des Körpers.
    Wenn eine Erhöhung des Phosphors im Blut messbar ist, haben schon Veränderungen im Körper stattgefunden: Eine vermehrte Ablagerung hat im Körper schon stattgefunden hat und das Gewebe „quillt sozusagen über“.

Calcitriol kann nicht mehr in genügendem Maße gebildet werden, daher nimmt die Aufnahme von Kalzium aus dem Verdauungstrakt ab: Der Kalziumspiegel im Blut sinkt: "Hypokalzämie".

Hypokalzämie und Hyperphosphatämie führen im weiteren Krankheitsverlauf zum "Hyperparathyroidismus", einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

Hyperparathyroidismus

  • Parathyroidea ist die Nebenschilddrüse. Sie kontrolliert durch die Freisetzung des so genannten "Parathormons" den Phosphor- und Kalziumhaushalt des Körpers.

Parathormon stimuliert:

  • die Phosphorausscheidung im Urin
  • die Freisetzung von Kalzium aus dem Skelett
  • die Produktion von Calcitriol durch die Nieren.

Bei CNI funktioniert dieser Regelkreis nicht mehr, da

  • Phosphor nicht genügend ausgeschieden werden kann
  • Die Niere nicht genügend Calcitriol produzieren kann.

Die klinischen Folgen: Kalzium wird vermehrt aus den Knochen freigesetzt, es kommt zur Entkalkung von Knochen (Osteoporose), zum "Gummikiefer" (selten) und zur Lockerung von Zähnen durch Resorptionsvorgänge in den Zahnalveolen.

→ Durch die Mobilisation von Kalzium aus dem Knochen, steigt entsprechend der Kalziumspiegel im Blut an: "Hyperkalzämie". Hohe Kalziumwerte im Blut führen auf Dauer zu einer Verkalkung von Weichteilgeweben. 
Auch die Niere ist von dieser Verkalkung betroffen,
was zu einer Verschlimmerung der Erkrankung führt!

Chronische Niereninsuffizienz Hyperparathyreodismus

Azidose

  • Durch die Ausscheidung von Wasserstoffionen und die je nach Bedarf erfolgende Ausscheidung oder Rückresorption von Basen (Bicarbonat), die Säuren entsprechend "abpuffern" können, hält die gesunde Niere den Säurespiegel (pH- Wert) des Blutes konstant.

→ Ist dieser Regulationsmechanismus bei einer CNI gestört, kommt es zu einer "Übersäuerung" des Blutes, der "Azidose": der pH- Wert des Blutes sinkt unter den Normalbereich.

Eine Azidose tritt besonders häufig bei erkrankten Katzen auf. 60-80% der Katzen mit CNI zeigen eine Azidose. Eine Azidose äußert sich klinisch in Appetitlosigkeit, Erbrechen, Muskelschwäche und Gewichtsverlust.

Kalium

  • Kalium ist ein Elektrolyt, das allgemein für die Zellfunktion wichtig ist. Es beeinflusst den Muskelstoffwechsel und insbesondere die Tätigkeit des Herzmuskels. Bei Vorliegen einer CNI wird es generell über die Maßen ausgeschieden, es kommt zur so genannten "Hypokaliämie", dem verminderten Gehalt an Kalium im Blut.

→ Besonders bei Katzen macht sich dieser Verlust als Muskelschwäche in hochgradigen Fällen mit typischer gebeugter Kopf- Brust-Haltung bemerkbar.

Auch das Gegenteil, ein zu hoher Kaliumspiegel, "Hyperkaliämie " mit Zuckungen und Krämpfen kann bei CNI auftreten!

Natrium

  • Natrium ist ein Elektrolyt, das wichtig ist für den Zellstoffwechsel, die Weiterleitung von Nervenimpulsen und die Regulation des Flüssigkeitsspiegels im Blut. Eine Erhöhung bei CNI "Hypernatriämie " kann den Bluthochdruck verschlimmern.

Blutarmut = Anämie

  • Im Zusammenhang mit einer CNI verringert sich die Produktion von Erythropoietin. Die Stimulation des Knochenmarks zur Bildung roter Blutkörperchen nimmt ab. Es kommt zur Blutarmut, Anämie.

Weitere Krankheitserscheinungen, die bei CNI- Patienten häufig festgestellt werden können:

  • Schlechte Fellqualität
  • Schuppen
  • stumpfes Haarkleid
  • blasse, verwaschene Schleimhäute.

Wichtig: Schädigungen des Nierengewebes sind immer irreversibel!

Das bedeutet Vorbeugung ist immer besser als Therapie.




Fortbildung


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