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Therapie

Möglichkeiten

Wichtig!: Je früher die Behandlung einer CNI erfolgt, umso besser sind die Aussichten, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Routinemäßige Checks der Hunde und Katzen ab einem Alter von etwa 6 Jahren mit Berücksichtigung der Nierenwerte können Nierenerkrankungen noch vor der Manifestation klinischer Symptome aufdecken und entsprechende Maßnahmen ermöglichen.

Die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen des erkrankten Tieres. Viele Medikamente werden in Abhängigkeit von den Laborparametern verabreicht und durch engmaschige Kontrolluntersuchungen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft.

Nierendiäten

Spezielle Nierendiäten berücksichtigen durch ihren reduzierten Proteingehalt die Problematik der Harnstoffentstehung beim Eiweißabbau und die daraus resultierende Anreicherung im Blut bei eingeschränkter Nierenfunktion. Weniger Protein bedeutet weniger Arbeit für die Nieren.

Ebenfalls reduziert ist der Phosphorgehalt dieser Futtermittel um eine Phosphoranreicherung im Blut zu vermeiden, bzw. eine bestehende Hyperphosphatämie zu korrigieren.

Die verringerte Proteinmenge in diesen Futtermitteln ist nicht ganz unproblematisch:

  • der Bedarf an Protein insbesondere bei der Ernährung der Katze ist relativ hoch.
  • Nierenkranke Tiere bauen generell körperlich ab und sind daher auf eine hochverdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an Proteinen angewiesen.
  • Proteinarme Diäten werden von den Tieren meist nicht sehr gut akzeptiert.
  • sind die Tiere in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung und daher bereits appetitlos, bereitet die Verabreichung einer solchen Diät häufig große Probleme.

Tipps zur besseren Akzeptanz einer Nierendiät:

  • Die Futterumstellung sollte möglichst nicht während eines Klinikaufenthaltes sondern zu Hause erfolgen, damit das Tier das Futter nicht direkt mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt.
  • Aus dem gleichen Grund auch keine Tabletten unter das Futter mischen.
  • Das Anwärmen des Futters erhöht die Akzeptanz. Angewärmtes Futter riecht intensiver und wirkt dadurch appetitstimulierend.
  • Häufig mehrere kleine Mahlzeiten verabreichen.
  • Eventuell anfangs aus der Hand füttern.
  • Den Geschmack durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfonds oder Hühnerbrühe verbessern.
  • Verweigerung der Nahrung kann bei Tieren, besonders bei Katzen, mit Niereninsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden. Wird Nahrung nicht selbständig aufgenommen, kann man versuchen, sie zu pürieren (oder spezielle Sondennahrung verwenden) und das Tier mit Hilfe einer Spritze zu füttern.
  • CNI - Patienten müssen fressen. Wenn sie keine Nierendiät fressen, sollten sie die Nahrung bekommen, die sie überhaupt akzeptieren. Bei schwer kranken Tieren gilt: "Ungesunde" Nahrung (gekochter Schinken, Leberwurst, Fleischwurst) ist besser als gar nichts fressen! Natürlich nicht auf Dauer!
  • Als letzte Möglichkeit bleibt die vorübergehende Ernährung über eine Speiseröhrensonde oder Magensonde.

Phosphatbinder

Kann die Kontrolle des Phosphorspiegels im Blut nicht allein durch die Verabreichung der Diätnahrung erzielt werden, sollten zusätzlich so genannte Phosphatbinder verabreicht werden. Die Phosphatrestriktion ist wichtig, um das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verlangsamen! Die Kontrolle des Phosphatspiegels gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei CNI - Patienten!

Prinzipiell muss von einem erhöhten Phosphatgehalt im gesamten Körper ausgegangen werden, auch wenn dies sich noch nicht in den Blutwerten widerspiegeln sollte: Der Körper lagert das überschüssige Phosphat im Gewebe ein und erst bei einer Übersättigung „quillt“ das Phosphat förmlich ins Blut über und kann gemessen werden.
Deshalb ist auch ein früher Einsatz von Phosphatbinder durchaus sinnvoll: Die Ablagerungen können verhindert und der Teufelskreis des Hyperparathyroidismus (s.o.) kann unterbrochen werden.

In der Tiermedizin ist zudem das Nahrungsergänzungsmittel Ipakitine  zugelassen. Es wird als Pulver über das Futter gestreut. Da Ipakitine Kalziumkarbonat enthält, sollte der Kalziumspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Bei der Verwendung von Aluminiumhydroxid als Phosphatbinder sollten Formulierungen mit Pfefferminzgeschmack vermieden werden, da diese von den meisten Katzen nicht gut aufgenommen werden.

Phosphatbinder müssen immer im Abstand zu anderen Präparaten (Antibiotika, ACE- Hemmer, Eisenpräparate) verabreicht werden, da sie deren Aufnahme in den Körper beeinträchtigen und so einen Wirkungsverlust verursachen können.

 Phosphatbinder müssen immer über das Futter verabreicht werden, damit sie den im Futter enthaltenen Phosphor binden können!

Flüssigkeitszufuhr

Besonders wichtig bei Tieren mit CNI ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit. Die Unfähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren verursacht Polyurie, also Absatz großer Mengen unverdünnten Urins. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, kommt es zur Austrocknung, ein Zustand, der schnell lebensbedrohlich wird.
In fortgeschrittenen Fällen muss der Ausgleich durch eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erfolgen.

Wichtig ist es, die Tierbesitzer darauf hinzuweisen, dass die Tiere viel Flüssigkeit aufnehmen müssen, dass möglicherweise eher Feucht- als Trockenfutter verabreicht wird und diesem eventuell noch zusätzliches Wasser zugefügt wird.
Frisches Trinkwasser sollte für die Patienten immer verfügbar sein. Bei geschwächten Tieren ist es sinnvoll, mehrere Näpfe aufzustellen und den Geschmack durch Hinzufügen von Hühnerbrühe attraktiver zu machen.

Auch das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen kann die Aufnahmemenge erhöhen, da viele Tiere fließendes Wasser bevorzugen.

Gerade bei Katzen kann die Aufnahme von genügend Flüssigkeit problematisch sein. Hier gelingt es vielen Tierbesitzern nach entsprechender Anleitung in der Praxis, diese als subkutane Infusion zu geben.

Blutdruckregulierung

Erhöhter Blutdruck kann durch die Verabreichung von Amlodipin (zum Beispiel Norvasc®) oder ACE- Hemmern (zum Beispiel Benazepril®) kontrolliert werden.
Der klassische Einsatz für ACE-Hemmer ist die Herzinsuffizienz.
Sie wirken blutdrucksenkend, vermindern die Proteinurie und verzögern somit das Fortschreiten der CNI.

Bei der Anwendung von ACE - Hemmern kann es zum Anstieg von Kreatinin im Blut kommen. Dies muss durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft werden.

Azidosebehandlung

Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer Nierendiät. Haben sich die Werte nach 2-4 Wochen nicht normalisiert, empfiehlt sich die Gabe von Natriumbikarbonat (Backnatron) als "Puffer". Das Pulver kann über das Trinkwasser verabreicht werden.

Bis zur Erreichung stabiler Blutwerte sind Blutuntersuchungen in Abständen von 2-4 Wochen erforderlich.

Weitere Maßnahmen

  • Ein herabgesetzter Blutkaliumspiegel wird ebenfalls in den meisten Fällen durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät normalisiert, denn die meisten Diäten sind entsprechend mit Kalium angereichert. Ansonsten kann Kaliumglukonat über das Futter verabreicht werden.
  • Erythropoietin zur Behandlung einer vorliegenden Anämie ist in der Humanmedizin erhältlich. Es wird eher in Ausnahmefällen bei Tieren eingesetzt, da es sehr teuer ist und bei 30% der behandelten Tiere zu Unverträglichkeitsreaktionen führt.
    Bluttransfusionen können bei stark geschwächten Patienten zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen.
  • Bei anhaltendem Erbrechen können bis zur Stabilisierung des Patienten Antiemetika eingesetzt werden.
  • Um den Verlust wasserlöslicher Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt sich die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B und E. Vitamin B wirkt häufig auch appetitstimulierend . Vitamin E hat die Wirkung eines "Zellschutzvitamins"
  • Untersuchungen bei Hunden haben gezeigt, dass die Verabreichung ungesättigter Fettsäuren (Fischöl, Distelöl) die glomeruläre Filtrationsrate verbessern kann.
  • In spezialisierten Zentren (vorwiegend USA) werden Tiere mit CNI dialysiert. Der Aufwand ist allerdings sehr hoch und wird daher von den meisten Tierbesitzern abgelehnt. Ähnliches gilt für die Möglichkeit der Nierentransplantation. Diese Therapiemethode befindet sich in der Tiermedizin noch im Anfangsstadium. Abstoßungsreaktionen sind häufig.



Fortbildung


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