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Behandlung und Therapie

Die Maßnahmen sind davon abhängig wie schlecht es Ihrer Katze geht. Die Behandlungsmöglichkeiten trennen wir nun nach denen die Ihr Tierarzt hat und denen, die Sie selber zu Hause durchführen können.

Tierarzt

Bei einer akuten Niereninsuffizienz ist die erste und wichtigste Maßnahme der Ersatz von Flüssigkeit durch Infusion und der Ausgleich von Elektrolyten. Evtl. werden noch zusätzliche Medikamente und Verfahren angewendet (Diuretika, Dialyse, Antiemetika). Die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen des erkrankten Tieres. Viele Medikamente werden in Abhängigkeit von den Laborwerten verabreicht und durch engmaschige Kontrolluntersuchungen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft. Je früher die Behandlung einer CNI erfolgt, umso besser sind die Aussichten, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

  • Erhöhter Blutdruck kann durch die Verabreichung von Medikamenten (z.B. Wirkstoff Amlodipin oder ACE- Hemmer) kontrolliert werden.  Der klassische Einsatz für ACE – Hemmer ist die Herzinsuffizienz. Da sie blutdrucksenkend wirken, vermindern sie die Proteinurie und verzögern somit das Fortschreiten der CNI. Bei der Anwendung von ACE – Hemmern kann es zum Anstieg von Kreatinin im Blut kommen. Dies muss durch regelmäßige Blutkontrollen überprüft werden.
  • Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer Nierendiät. Haben sich die Werte nach 2-4 Wochen nicht normalisiert, empfiehlt sich die Gabe eines Pulvers (Natriumbikarbonat) als „Puffer“. Das Pulver kann über das Trinkwasser verabreicht werden. Bis zur Erreichung stabiler Blutwerte sind Blutuntersuchungen in Abständen von 2-4 Wochen erforderlich.
  • Ein herabgesetzter Blutkaliumspiegel wird ebenfalls in den meisten Fällen durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät normalisiert, denn die meisten Diäten sind entsprechend mit Kalium angereichert. Ansonsten kann Kaliumglukonat über das Futter verabreicht werden.
  • Bei anhaltendem Erbrechen können bis zur Stabilisierung des Patienten Medikamente (Antiemetika) eingesetzt werden.
  • Zur Behandlung einer vorliegenden Anämie ist Erythropoietin in der Humanmedizin erhältlich. Es wird eher in Ausnahmefällen bei Tieren eingesetzt, da es sehr teuer ist und bei 30% der behandelten Tiere zu Unverträglichkeitsreaktionen führt. Bluttransfusionen können bei stark geschwächten Patienten zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen.
  • Um den Verlust wasserlöslicher Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt sich die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B und E. Vitamin B wirkt häufig auch appetitstimulierend. Vitamin E hat die Wirkung eines „Zellschutzvitamins“


Katzenbesitzer

Bei der Behandlung einer nierenkranken Katze können Sie sehr viel selber helfen! Mal abgesehen von der bekannten Heilungsförderung durch liebevolle Betreuung, müssen Sie auf folgende Punkte achten.

1. Viel Trinken!

Besonders wichtig bei Tieren mit CNI ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit. Die Unfähigkeit der Niere den Urin zu konzentrieren, verursacht Polyurie, also Absatz großer Mengen unverdünnten Urins. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, kommt es zur Austrocknung, ein Zustand, der schnell lebensbedrohlich wird.

In fortgeschrittenen Fällen muss durch den Tierarzt der Ausgleich durch eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erfolgen.

Welche Möglichkeiten haben Sie?

  • Frisches Trinkwasser sollte für die Patienten immer verfügbar sein.
  • Verabreichen Sie eher Feucht- als Trockenfutter.
  • Fügen Sie dem Futter noch zusätzliches Wasser hinzu.
  • Bei geschwächten Tieren ist es sinnvoll, mehrere Näpfe aufzustellen.
  • Sie können den Geschmack durch Hinzufügen von Hühnerbrühe attraktiver machen.
  • Das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen kann die Aufnahmemenge erhöhen, da viele Tiere fließendes Wasser bevorzugen.
  • Gerade bei Katzen kann die Aufnahme von genügend Flüssigkeit problematisch sein. Hier gelingt es vielen Tierbesitzern nach entsprechender Anleitung in der Praxis, diese als subcutane Infusion zu geben. 

2. Futterumstellung!

Weil Katzen Fleischfresser sind, enthält ihr Futter oft viel Protein.
Dies bedeutet mehr Arbeit für die Nieren, da Protein Phosphor enthalten, welches über die Nieren ausgeschieden wird.

Spezielle Nierendiäten berücksichtigen durch ihren reduzierten Proteingehalt diese Problematik und weniger Protein bedeutet weniger Arbeit für die Nieren.
Ebenfalls reduziert ist der Phosphorgehalt dieser Futtermittel um eine Phosphoranreicherung im Blut zu vermeiden, bzw. eine bestehende Hyperphosphatämie – also zuviel Phosphor im Blut - zu korrigieren.

Die verringerte Proteinmenge in diesen Futtermitteln ist nicht ganz unproblematisch:

  • Der Bedarf an Protein insbesondere bei der Ernährung der Katze ist relativ hoch.
  • Nierenkranke Tiere bauen generell körperlich ab und sind daher auf eine hochverdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an Proteinen angewiesen.
  • Proteinarme Diäten werden von den Tieren meist nicht sehr gut akzeptiert, da sie nicht so gut schmecken.
  • Sind die Tiere in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung und daher bereits appetitlos, bereitet die Verabreichung einer solchen Diät häufig große Probleme.
  • Zusätzlich reagieren Katzen allgemein skeptisch auf eine Futterumstellung. 

Tipps zur besseren Akzeptanz einer Nierendiät:

  • Die Futterumstellung sollte möglichst nicht während eines Klinikaufenthaltes sondern zu Hause erfolgen, damit das Tier das Futter nicht direkt mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt.
  • Aus dem gleichen Grund auch keine Tabletten unter das Futter mischen.
  • Das Anwärmen des Futters erhöht die Akzeptanz. Angewärmtes Futter riecht intensiver und wirkt dadurch appetitanregend.
  • Häufig mehrere kleine Mahlzeiten verabreichen.
  • Das Futter immer schrittweise umstellen durch Mischen des alten und neuen Futters.
  • Eventuell anfangs aus der Hand füttern.
  • Den Geschmack durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfonds oder Hühnerbrühe verbessern.

Verweigerung der Nahrung kann bei Tieren, besonders bei Katzen, mit Niereninsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden. Wird Nahrung nicht selbständig aufgenommen, kann man versuchen, sie zu pürieren (oder spezielle Sondennahrung verwenden) und das Tier mit Hilfe einer Spritze zu füttern.

CNI – Patienten müssen fressen! Wenn sie keine Nierendiät fressen, sollten sie die Nahrung bekommen, die sie überhaupt akzeptieren. Bei schwer kranken Tieren gilt: „Ungesunde“ Nahrung (gekochter Schinken, Leberwurst, Fleischwurst) ist besser als gar nichts fressen!

Als weitere Möglichkeit besteht die Zugabe von sogenannten Phosphatbindern (s. nächster Punkt).

3. Zusatz von Phosphatbindern!

Die Phosphatrestriktion ist wichtig, um das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verlangsamen! Die Kontrolle des Phosphatspiegels gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei CNI – Patienten!

Phosphatbinder müssen immer über das Futter verabreicht werden, damit sie den im Futter enthaltenen Phosphor binden können!*

Phosphatbinder haben folgende Vorteile:
Sie bieten Ihnen die Möglichkeit, bei „schwierigen Katzen“, die keine Futterumstellung akzeptieren, das gewohnte Futter beizubehalten und den schädlichen Phosphor trotzdem zu vermeiden.
Kann die Kontrolle des Phosphorspiegels im Blut nicht allein durch die Verabreichung einer Diätnahrung erzielt werden, können Phosphatbinder zusätzlich gegeben werden.

*Phosphatbinder müssen immer im Abstand zu anderen Präparaten (Antibiotika, ACE- Hemmer, Eisenpräparate) verabreicht werden, da sie deren Aufnahme in den Körper beeinträchtigen und so einen Wirkungsverlust verursachen können.

Patienten mit CNI sind Dauerpatienten, die eine intensive Betreuung erfordern. Regelmäßige Kontrollen der Blutparameter und entsprechende Anpassung der Ernährung bzw. der Medikamente sind wichtig und ermöglichen den Patienten trotz der Erkrankung für Monate oder sogar Jahre beschwerdefreies Leben.




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