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Harnproduktion

aus Blut wird Urin

Schema Harnproduktion

Die Harnproduktion beginnt in den Glomeruli, den Nierenkörperchen, die im Nierenmark angesiedelt sind.

Diese Phase wird auch als "Glomeruläre Filtration" bezeichnet.

Aufbau Glomerulum

Eine Blut zuführende kleine Arterie spaltet sich in ein Knäuel von Kapillaren auf und vereinigt sich wieder in ein Blut abführendes Gefäß. In den eng liegenden Kapillaren staut sich das Blut. Durch den erhöhten Stauungsdruck werden Wasser, Glucose, Harnstoff und Elektrolyte aus dem Kapillarnetz herausgepresst. Dabei wirken die Wände der Kapillaren wie ein Sieb, das nur kleine Partikel durchlässt, größere Moleküle, wie große Proteine und Blutzellen jedoch zurückhält.

Die gesunde Niere kann durch Freisetzung spezieller Botenstoffe sowohl auf den Gesamtblutdruck als auch auf den Blutdruck im Glomerulum regulierend einwirken und dadurch den Blutfluss im Glomerulum konstant halten.

Die in diesem Bereich aus dem Blut filtrierte Flüssigkeit wird als "Primärharn" bezeichnet. Er enthält außer den Stoffen, die ausgeschieden werden müssen, auch viele Stoffe, die der Organismus noch braucht und die nachfolgend wieder in das Blut zurücktransportiert werden müssen.

Der Primärharn wird aufgefangen von einer doppelwandigen Membran, der Bowmanschen Kapsel, die das kugelige Kapillarknäuel umgibt.

Die Flüssigkeitsmenge, die im Bereich der Nierenkörperchen in einer bestimmten Zeit produziert wird, wird als " Glomeruläre Filtrationsrate" GFR bezeichnet. Sie ist ein wichtiger Parameter für die Abschätzung der Nierenfunktion. Sie wird in der Einheit ml pro Minute angegeben.

Der Primärharn wird nun aus dem Bereich der Bowmanschen Kapsel weitergeleitet in ein Röhrensystem, den so genannten "Tubulusapparat ". Hier finden die " Tubuläre Reabsorption " und die " Tubuläre Sekretion " statt.

Tubuläre Reabsorption

In dieser Phase werden für den Organismus wertvolle Stoffe wie Aminosäuren, Vitamine, Glucose und 75% des Wassers aus dem Primärharn wieder in das Blut zurück gewonnen.

Das Ausmaß der Rückgewinnung passt sich den jeweiligen Bedürfnissen des Körpers an, um sein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Beeinflussende Faktoren sind zum Beispiel Energieverbrauch, Trinkwassermenge, Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen / Hecheln oder Durchfall.

Einige dieser Substanzen, wie zum Beispiel Glucose, werden in dieser Phase vollständig aus dem Primärharn in das Blut zurücktransportiert.

Ausnahme: Bei Überschreitung einer Maximalkonzentration von Glucose im Blut (Hyperglykämie bei Diabetes mellitus), kann keine vollständige Rückgewinnung mehr erfolgen. Glucose wird dann im Urin ausgeschieden (Glucosurie).

Tubuläre Sekretion

Wasserstoffionen, Ammoniak, Säuren, Basen, Arzneistoffe werden in diesem Teil des Tubulussystems aktiv in den Urin ausgeschieden.

Das Filtrat am Ausgang des Tubulusapparates ist der "Endharn ".

Renale Clearance

Ausscheidungspflichtige Substanzen durchlaufen dieses "Filtersystem" von Substanz zu Substanz unterschiedlich. 
Die Differenz der Konzentration einer Substanz im Blut zur Konzentration im Endharn wird auch als "Clearance" bezeichnet.

Der Hauptanteil des Primärharns wird durch das Tubulussystem dem Körper wieder zugeführt. Der verbleibende Endharn gelangt über Sammelrohre in das Nierenbecken und von dort über den Harnleiter in die Harnblase.

Ein Hund mit einem Körpergewicht von 20 kg produziert pro Tag etwa 60l Primärharn. Davon scheidet er dann ca.1l als Endharn aus!

Das Nephron

Nierenkörperchen und Tubulusapparat bilden zusammen die Funktionseinheit "Nephron".
(Hunde haben pro Niere bis zu 1 Million Nephrone!)

Funktionsstörungen in diesem komplizierten Filtersystem führen zum einen zum Verlust lebenswichtiger Stoffe wie Proteine, Glucose und Elektrolyte und zum anderen zur Anreicherung von Giftstoffen im Organismus wie zum Beispiel Harnstoff.

Viele Arzneistoffe werden auch über die Niere ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss dies berücksichtigt und die Dosierung entsprechend angepasst werden.



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